Blättert man in der österreichischen OL-Geschichte, so fällt einem die Leibnitzer AC Orientierungslaufgemeinschaft, kurz auch LAC genannt, immer wieder ins Auge. Der LAC, ein Verein der schon bei der Gründung des ÖFOL als Pate mitwirkte. Franz Trampusch, Sepp und Franz Hartinger & Co schrieben OL-Geschichte. Heute führen u.a. Jürgen Egger, Stefan Kubelka, Andreas Pölzl und Stefan Hartinger mit Umsicht den südsteirischen Traditionsverein.

Franz Trampusch, OL-Pionier gestaltete über viele Jahre das OL-Geschehen in der Steiermark

Der LAC Leibnitz wurde zu Beginn der 60er Jahre von Franz Trampusch und Freunden gegründet. Ja richtig, damals hieß der Verein noch LAC Leibnitz. LAC für Leicht-Athletik-Club. 1963 kamen die Leibnitzer bei einem ASKÖ Sportfest in Kapfenberg erstmals mit dem Orientierungslauf in „Berührung“. Ein Jahr später gewann Trampusch die erste österreichische Meisterschaft im Raum Salzburg. Der Leibnitzer OL-Pionier war bei der Europameisterschaft in Le Brassus in der Schweiz und bei der ersten WM 1966 in Finnland am Start.

Im Jahre 1967 kamen Franz und Sepp Hartinger zum OL und holten sich im ersten OL-Jahr die nationalen Nachwuchstitel in der Jugend- und Juniorenklasse. In den 60er Jahren führte vor allem Franz Trampusch den Verein, ab 1970 zeichneten Sepp und Franz Hartinger für die Arbeit im Verein verantwortlich. Durch viele Jahre fungierten die Hartingers in Mehrfachfunktion: als Organisatoren, Lehrwarte, Trainer und auch als erfolgreiche Sportler. Viele Jugendliche aus dem südsteirischen Raum kamen zum LAC, die Leibnitzer starteten mit 50 und mehr Aktiven bei nationalen und internationalen Wettkämpfen. Tolle Erfolge stellten sich ein. Viele WM-Starter kamen aus den Leibnitzer Reihen: Franz und Marianne Hartinger, Hans Thünauer, Hannes Pacher (WM-Zwölfter 1983 in Ungarn), Walter Pötsch, Ulinde Jaksch, Jürgen Egger, Christian Mohn, Ulrike Hartinger und Lisi Hohenwarter. Aber auch beim verhältnismäßig jungen Mountainbike-O mit dem glanzvollen Höhepunkt, dem WM-Titel der österreichischen MTBO-Damenstaffel 2009 mit Startfahrerin Lisi Hohenwarter.

Lisi Sandrisser (links) holte 2010 mit Michaela Gigon und Andrea Zinkl in Israel den WM-Titel im MTBO

Bei Junioren-Weltmeisterschaften waren u.a. Herwig Allwinger, Jürgen Egger, Jürgen und Ulrike Hartinger und zuletzt Stefan Kubelka und Lukas Novak im österreichischen Team im Einsatz. Die Zahl der Landes- und Staatsmeistertitel (samt ÖM) in allen Kategorien und Bewerben in den vergangenen 58 Jahren zusammengezählt hat die 1200er Marke bei weitem überschritten.

Das LAC Staffelteam mit Christian Mohn, Jürgen Hartinger und Jürgen Egger dominierte über Jahre die nationalen Staffel- und Teambewerbe

Die Kooperation mit der Sporthauptschule Weiz (mit den Pädagogen Eleonore Faul und Edgar Perko) brachte viele OL-Talente hervor, die sich auch bei Schul-Weltmeisterschaften behaupten konnten. Die Nachwuchsarbeit im Leibnitzer Raum wurde seit den 80er Jahren von Franz Hartinger, später auch von Judit Allwinger und Birgit Ruff geprägt. Der LAC ist auch in den Projekten „Bewegungsland Steiermark“ und „Kinder gesund bewegen“ seit Jahren in den Volksschulen aktiv im Einsatz.

Der erfolgreiche LAC-Nachwuchs mit Betreuerin Irene Prach im Jahr 2008

Von Franz Hartinger organisierte "Postenjagd" für die Kinder der Volksschule Leibnitz im Rahmen des "Bewegungslandes Steiermark"

Aber auch in punkto Organisation von Wettkämpfen setzten die LAC-Funktionäre internationale Marksteine: 1970 zeichnete Sepp Hartinger die erste färbige OL-Karte in Österreich, heute verfügt man über 30 OL-Spezialkarten. Im Ski-OL führte der LAC 1974 die Österreich-Premiere in den Murauen bei Gralla durch. Bei den in Österreich ausgetragenen Ski-OL-Weltmeisterschaften 1982 (in Aigen) und 1999 (in Windischgarsten) waren die Hartinger, Pötsch & Co „Schwergewichte“ in den OK-Teams.

Mit dem Alpencup (1975, 1977, 1980 und 1987) und der Tio Mila Austria, einem Staffel-Orientierungslauf über 100 km (1981 bis 1985 und 1994) setzte der LAC neue Organisationsstandards.

Das Siegerteam von der Tio Mila Austria 1982. Von Links: Erik Kostron, Gerhard Spath, Herwig Allwinger, Walter Pötsch, Hans Thünauer, Hannes Pacher, Ulinde Jaksch und Franz Hartinger.

Im Jahre 1991 organisierte das Trio Franz Hartinger, Christian Aichholzer (OLC Graz) und Hans Michael Jahnel (HSV-Graz) in Graz und Gleinstätten den ersten OL-Alpen-Adria Cup. Ein Vergleichskampf der Alpen-Adria-Regionen, der heuer in Madonna di Campiglio seine 30. Wiederholung findet. Und auch hier gelang es, Maßstäbe zu setzen.

1991 veranstaltete der Leibnitzer AC mit dem OLC Graz und dem HSV Graz den 1. OL-Alpen-Adria-Cup. Die Schlussetappe wurde im Hartwald bei Gleinstätten gelaufen.Gerli Hoch, Hans-Michael Jahnel und Sepp Hartinger mit den jüngsten Siegerinnen.

Wie schon bei den zuvor erwähnten Wettkämpfen, ließ den Verantwortlichen des LAC ein Gedanke nicht los: den Orientierungslauf den Menschen näherbringen! Und damit sollte der Orientierungslauf auch außerhalb eines eingeschworenen Kreises bekannter werden. Die weltweit organisierte Park World Tour passte da sehr gut in diese Vision, den Orientierungslauf zu den Menschen zu bringen. Die Leibnitzer konnten ab 1997 gemeinsam mit dem OLC Graz einiges dazu beitragen. So wurden die Park World Tour - Läufe in Graz und Schladming perfekt inszeniert.

Mit Jahreswechsel 2000 ging die OL-Welt nicht unter, sondern stellte Leibnitz ins internationale Blicklicht. Mit der Welt-Orientierungslauf-Woche, mit der inoffiziellen Sprint-WM in Leibnitz, mit Teilnehmern aus 48 Nationen wurde ein weiteres internationales Highlight gesetzt. Die Vision Park World Tour und die Bemühungen rundherum führten zu einer nicht mehr wegzudenkenden OL-Disziplin: dem Sprint. Gleichzeitig wurde der IOF-Weltkongress auf Schloss Seggau ausgerichtet, was das internationale Engagement des Vereins zeigt. Bereits 1983 war Franz Trampusch Jury-Mitglied bei der Weltmeisterschaft in Ungarn. Sepp Hartinger folgte dem Beispiel als „wegweisender Advisor“ bei der Park World Tour, ebenso wie Franz Hartinger im internationalen Schulsport, als Vizepräsident der TK für OL.

Die Familien von Franz und Sepp Hartinger: Erfolgreiche Läufer und eifrige Organisatoren. Das absolute Highligth war 2000 die Championsweek in Leibnitz verbunden mit dem Weltkongress der IOF (Leibnitz Convention!) und den sieben Publikumsläufen im Raum Leibnitz.

Championsweek 2000 – Eröffnung vor dem Leibnitzer Rathaus

Organisatoren und fleißige Läufer bei der Championsweek und dem Bewerb "7 Tage - 7 Läufe" im Jahr 2000: STOLV-Präsident Franz Hartinger mit Gerli Hoch, Hans Terler und Herbert Kleber

Championsweek 2000: Sepp Hartinger im Gespräch mit Weltmeister Jörgen Mårtensson und Gåvert Wååg (Park World Tour Council)

Auf den OL-Gebieten um Leibnitz wurden viele Landesmeisterschaften und nationale Bewerbe ausgetragen, u.a. die Staatsmeisterschaften im Hartwald bei Gleinstätten (1987) oder im Karwald bei Gabersdorf (1995) sowie in Heimschuh (Staffel 1997). Mit dem Heimkehrer Herwig Allwinger verfügt der LAC nunmehr wieder über einen sehr ambitionierten Kartenzeichner. Die OL-Karten im Schweinsbachwald und im Roßmandlwald und einige neue Projekte in der Südsteiermark sind die Ergebnisse der letzten Jahre. Eines seiner jüngsten Projekte wird die Grundlage werden, um 2023 - im Jubiläumsjahr des LAC - zwei nationale Bewerbe auszurichten.

Vor knapp fünfzehn Jahren legten Sepp und Franz Hartinger die Vereinsgeschicke in jüngere Hände. Susanne, Ulrike, Jürgen und Stefan Hartinger, Jürgen Egger, Andreas Pölzl, Florian Kölbl und Franz Prach setzten die LAC-Tradition als Wettkämpfer, Organisatoren und Funktionäre fort. Bei der Staatsmeisterschaft über die Mitteldistanz in Hengsberg 2010 und 2013 bewiesen sie ihr großes Organisationsgeschick.

Und vielleicht weil die Vereinsgeschicke in jüngere Hände gelegt wurden, wurde die frei gewordene Energie in den Römerlauf mit dem Zentrum Grottenhof gesteckt. „Back to the roots“ - zurück zur Leichtathletik, könnte man sagen. Ebenfalls von Sepp und Franz mit ihrem Team großartig organisiert und in Szene gesetzt. Der Römerlauf, das Laufevent in der Südsteiermark - im Abschlussjahr mit über 2500 Startern.

Beim Organisieren von Veranstaltungen, Verfolgen von Zielen und Visionen ist ein Verein immer nur so gut, wie die Mitglieder, die diese auch mittragen und mithelfen. Es war und ist immer wieder bewundernswert, wie viele helfende Hände zur Stelle sind, wenn der LAC ruft. DANKE.

Die aktuelle Funktionärs- und Kartenzeichnergeneration: Jürgen Egger, Herwig Allwinger und Andreas Pölzl - Vizemeister bei der Österr. Staffelmeisterschaft 2018 in Miesenbach in der Kategorie Herren 120-

Mitten im Corona-Jahr 2020 fand dann ein Wechsel an der Vereinsspitze statt. Susanne Hartinger hat das Amt des Obmanns an Jürgen Egger übergeben. Gemeinsam mit Andreas Pölzl, Stefan Kubelka, Ulrike, Stefan und Franz Hartinger sollten die Ziele des LAC weiter verfolgt werden: Orientierungslauf zu den Interessierten bringen und die fast 60-jährige Erfolgsstory weiterschreiben.

Das Team des LAC bei der ÖM und ÖSTM über die Sprintdistanz am 4.10.2020 in Graz